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Gedicht: Ich hab dich (nicht) vergessen.
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Ich hab dich (nicht) vergessen

F√ľr T., die noch immer eine riesige L√ľcke hinterl√§sst.
Ganz so, wie es bei geliebten Menschen gut und richtig ist.

***

So viel hab ich vergessen

und es bricht mir fast das Herz
Ich denke doch so oft an dich
mit so viel Liebe und auch Schmerz

Wie schmeckte noch mein Leibgericht?
Warum weiß ich das nicht?
Wie hieß deine Handcreme?
Warum erinner ich mich nicht?
Selbst dein Gesicht ist unscharf
Es versetzt mir einen Stich

Was warn die letzten Worte
von dir und auch von mir?
Was ist von dir geblieben?
Welches Erbe lässt du hier?

Dann ganz plötzlich weiß ichs
und bin beruhigt. Es reicht.
Bei dir ging es mir immer gut.
Und das Gef√ľhl, das bleibt.

 

D steht f√ľr Das winzig kleine Haus, das jede Nacht etwas Mysteri√∂ses tut.
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Das winzig kleine Haus

Auf einem kleinen H√ľgel weit, weit drau√üen,
ganz am Rand der Stadt,
da steht ein winzig kleines Haus,
das schon seit Ewigkeiten
niemand mehr betreten hat.

Krumm und schief, mit losen Schindeln
steht es auf dem H√ľgel.
Und geht auch nur ein bisschen Wind,
bekommen noch mehr Schindeln Fl√ľgel.

Die Fenster klemmen dermaßen,
dass sich keins mehr öffnen lässt,
und auch die alte Eingangst√ľr
steckt halb geöffnet
schlichtweg völlig fest.

Doch Nacht f√ľr Nacht geschieht etwas,
das kann eigentlich gar nicht sein:
Aus dem kleinen Schornstein qualmt es.
Die Stadtbewohner schwören Stein und Bein!

Kleine Wölkchen und graue Schwaden
kommen Nacht f√ľr Nacht aus dem Haus.
Dabei wohnt dort seit Jahren niemand mehr,
nicht mal eine Maus.

Gespenstisch, sagen die Leute,
gruselig.
Mysteriös, unerklärlich, unglaublich.
Sie staunen und rätseln und tuscheln
und machen sich selbst ganz duselig.

Und das Häuschen?
Das weiß von alldem nichts.
Es qualmt fröhlich vor sich hin,
freut sich an sich und dem kleinen Kamin
und findet daran gar nichts schlimm.

Warum soll ich warten, dass jemand kommt,
hat es sich eines Tages gedacht,
dass jemand kommt und den Kamin anmacht,
f√ľr mich, Nacht f√ľr Nacht?

Das kann ich auch selbst, hat es sich gedacht,
ich tue, was ich will.
Und ich will warmes Kaminfeuer,
von Oktober bis April.

So steht es auf dem H√ľgel,
das windschiefe kleine Haus,
und macht sich ohne Mensch und Maus
einfach selber eine Freude.

Wär ja auch Quatsch,
denkt es gl√ľcklich qualmend,
wenn ich meine Zeit hier
wartend vergeude.

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Die anderen. Und ich.

Vergleichen macht ungl√ľcklich. Das wei√ü ich.
Trotzdem passiert es mir immer wieder. 

***

Während andere schicke Häuser bauen
und mit Freude nur nach vorne schauen,
frage ich mich, wo ich falsch abgebogen bin. 

Während andere ein Selfie schießen
und den nächsten Meilenstein begießen,
frage ich mich, was ich √ľberhaupt als N√§chstes will.

Während andere die Sterne zählen
liege ich nachts wach und liste, was ich gerne täte,
doch am Ende belasse ichs dabei.

Und während andere sich weiter treiben,
höher, weiter, niemals stehen bleiben,
liege ich im Pyjama auf der Couch.

Vielleicht verpasse ich das Leben,
vielleicht leb ich aber auch ein Leben,
das so viel besser zu mir passt.

Denn vielleicht ist das ja das Geheimnis,
das mehr ern√ľchternd als geheim ist:
DAS Leben, das gibt es einfach nicht.
Und was mich im Leben gl√ľcklich macht,
wei√ü leider und zum Gl√ľck wirklich nur ich.