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D steht für Das winzig kleine Haus, das jede Nacht etwas Mysteriöses tut.
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Das winzig kleine Haus

Auf einem kleinen Hügel weit, weit draußen,
ganz am Rand der Stadt,
da steht ein winzig kleines Haus,
das schon seit Ewigkeiten
niemand mehr betreten hat.

Krumm und schief, mit losen Schindeln
steht es auf dem Hügel.
Und geht auch nur ein bisschen Wind,
bekommen noch mehr Schindeln Flügel.

Die Fenster klemmen dermaßen,
dass sich keins mehr öffnen lässt,
und auch die alte Eingangstür
steckt halb geöffnet
schlichtweg völlig fest.

Doch Nacht für Nacht geschieht etwas,
das kann eigentlich gar nicht sein:
Aus dem kleinen Schornstein qualmt es.
Die Stadtbewohner schwören Stein und Bein!

Kleine Wölkchen und graue Schwaden
kommen Nacht für Nacht aus dem Haus.
Dabei wohnt dort seit Jahren niemand mehr,
nicht mal eine Maus.

Gespenstisch, sagen die Leute,
gruselig.
Mysteriös, unerklärlich, unglaublich.
Sie staunen und rätseln und tuscheln
und machen sich selbst ganz duselig.

Und das Häuschen?
Das weiß von alldem nichts.
Es qualmt fröhlich vor sich hin,
freut sich an sich und dem kleinen Kamin
und findet daran gar nichts schlimm.

Warum soll ich warten, dass jemand kommt,
hat es sich eines Tages gedacht,
dass jemand kommt und den Kamin anmacht,
für mich, Nacht für Nacht?

Das kann ich auch selbst, hat es sich gedacht,
ich tue, was ich will.
Und ich will warmes Kaminfeuer,
von Oktober bis April.

So steht es auf dem Hügel,
das windschiefe kleine Haus,
und macht sich ohne Mensch und Maus
einfach selber eine Freude.

Wär ja auch Quatsch,
denkt es glücklich qualmend,
wenn ich meine Zeit hier
wartend vergeude.

Regentropfen im Hintergrund: Das Leben ist nicht immer nur heiter.
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Wie geht’s dir?

Neulich traf ich eine Freundin und fragte sie, wie es ihr geht.
Ihre Antwort hat mich lange beschäftigt.

***

„Ja hallo!“, hab ich dich begrüßt,
dich strahlend fest gedrückt.
„Wie geht’s dir?“, hab ich dich gefragt,
noch immer ganz verzückt.

„Gut“, hast du zurückgegeben
und dabei noch genickt.
Doch deine Augen sagten mir:
„Gut“ hieß in echt „Bedrückt!“.

Da standen wir nun, du und ich,
schweigend voreinander.
Das „Gut“ hing bleischwer in der Luft,
wir beide – durcheinander.

Ich zögerte und wusste nicht,
ob du reden magst;
ob ich nachhaken und bohren sollte
oder darauf warten, dass du etwas sagst.

„Lass uns doch mal wieder ´nen Kaffee trinken“,
schlug ich dir schließlich vor.
„Oh ja, super gerne!“, strahltest du,
von einem zum anderen Ohr.

So haben wir uns gedrückt und verabschiedet
und ich lief grübelnd weiter.
Warum sagen wir so automatisch „Gut“?
Das Leben ist doch nicht immer nur heiter.

Dein „Gut“ lässt mich noch immer nicht wirklich völlig los.
Denn dass du dachtest, du müsstest es sagen,
macht mir noch heute einen Kloß.
Einen dicken Kloß im Hals und einen Knoten tief im Magen.

Das nächste Mal, das verspreche ich dir,
da werd ich genauer fragen.