Eine kleine Weihnachtsgeschichte zum Selber-Lesen, Vorlesen oder Zusammen-Lesen.
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Weit und breit keine Mauseleiche: Eine Weihnachtsgeschichte

„Diese verdammte Maus!“, presst Ralf zwischen den Zähnen hervor und lässt den Kochlöffel, den er vorhin noch fröhlich pfeifend geschwungen hat, drohend in die Handfläche klatschen.
Überall im Gartenhaus hat er Fallen verteilt und trotzdem hat er den kleinen Nager gerade wieder quicklebendig durch den verschneiten Garten flitzen sehen.

„Dich krieg ich noch!“, flüstert er entschlossen, als ihn plötzlich eine kleine Hand antippt.
„Hast du gesehen, Papa?“, ruft Anton quietschend vor Aufregung: „Luigi ist durch den Garten gerannt! Da, siehst du? Er hat ganz viele kleine Abdrücke in den Schnee gemacht.“
Ralf starrt Anton ungläubig an: „Luigi? Du hast der Maus einen Namen gegeben?“
„Natürlich“, nickt Anton emsig, als müsse logischerweise jede Maus auf der Welt einen Namen haben. „Wenn ich ihn rufe, dann muss er doch wissen, dass er gemeint ist.“
Ralf runzelt die Stirn.
Wenn es klappt, wie er es plant, wird Luigi schon bald nur noch Mäuseengelchen nach ihm rufen hören.

„Freunde dich lieber nicht mit ihr an“, sagt er dann und legt Anton ganz väterlich die Hand auf die Schulter. „Die Maus wird nicht mehr lange bei uns sein.“
„Warum denn?“, fragt Anton sichtlich traurig, und beantwortet sich seine Frage dann gleich selbst: „Ach, bald ist ja Weihnachten. Da will Luigi bestimmt bei seiner Familie sein.“
„Genau“, sagt Ralf und tätschelt Anton gedankenverloren die Schulter. Als Anton freudig aus dem Zimmer hüpft, um seine Gummistiefel zu suchen und auch ein paar Spuren in den Schnee zu stampfen, murmelt Ralf ganz leise: „Heute Abend stelle ich gleich noch ein paar mehr Fallen auf. Diesem Vieh geht es noch heute Nacht an den Kragen!“

„Bist du immer noch mit der Maus zugange?“, fragt Antje, die nun hinter Ralf steht, kopfschüttelnd. „Lass das arme Tier doch einfach mal in Ruhe. Soll es halt im Schuppen überwintern. Da ist doch eh nichts Wichtiges drin.“
Und Ralf? Der räuspert sich nur kurz und schweigt.
Dass er sehr wohl etwas ganz Wichtiges im Schuppen versteckt hat, das behält er lieber für sich.

*

Luigi hat sich durch das kleine Erdloch gleich rechts neben dem Schuppen erfolgreich ins Trockene gezwängt. Er schüttelt sich ausgiebig und rümpft das fast gefrorene Näschen, bis er sich sicher ist, dass kein Eiszapfen daran hängt.
„Endlich drinnen“, denkt er sich und ist froh, dass das Tagwerk für heute geschafft ist. Er hat erledigt, was als pflichtbewusster Mäusemann eben so zu erledigen ist, und ist dabei mehrfach bis auf die kleinen Mäuseknochen nass geworden. Die Menschen wissen ja gar nicht, wie sehr Mäuse nasse Füße hassen – und erst recht leuchtend rote, fast gefrorene Nasen.

Luigi klettert vorsichtig an dem Holzregal nach oben, das der große Mensch im Laufe der letzten Tage mit mehr und immer noch mehr Mäusefallen gespickt hat. Einmal hat Luigi eine Maus in so eine Falle tappen sehen und diesen Anblick wird er nie wieder vergessen. Zum Glück ist Luigi von Haus aus eine besonders vorsichtige Maus. Ihm wird so etwas nicht passieren!

Flink und behände krabbelt er am Regal empor und freut sich bei jedem Schritt auf sein Abendessen.
Zuerst hat er sich durch den kleinen Sack Vogelfutter gefressen, den der große Mensch abgestellt hatte. Irgendwann hat ihn dann der kleine Mensch bemerkt, und der bringt ihm seitdem jeden Tag etwas Gutes zu essen.
Luigi ist keine sehr wählerische Maus und bestimmt auch kein Mäusegourmet. So gut wie der Mini-Mensch hat aber noch nie jemand für ihn aufgetischt.
Neulich gab es beispielsweise drei ganze Nudeln mit Hackfleischkrümeln und einer leckeren Tomatensoße. Dann gab es Kloßstückchen mit einem Teelöffelchen Rotkohl und dem besten Stück Wurst, das Luigi je gegessen hat.
Zum Frühstück hat er heute ein paar extragroße Stutenkrumen bekommen, mit herrlich süßen Rosinen. Und jetzt liegt da ein Stück Käse, das jeder Maus den Speichel im Mäusemund zusammen laufen lässt.
Während Luigi sich den Käse schmecken lässt, starrt er auf die kleine Box aus Holz, die ganz hinten im Regal steht; versteckt unter Holzabfällen, hinter denen sie nur noch für scharfe Mäuseaugen überhaupt zu sehen ist.

Seit er hier Unterschlupf gefunden hat, kämpft Luigi mit dieser Truhe. Doch seine kleinen Mäusehändchen können sie nicht öffnen. Und selbst die bewährte Mäusemethode, sich einfach durchzunagen, hat bei diesem harten Holz zu vielen kleinen Zahnabdrücken, aber nicht zu einem Weg nach innen geführt.
So mümmelt Luigi nachdenklich den Käse und fixiert mit seinen Mäuseäuglein das geheimnisvolle Holzkästchen.
Warum hat der große Mensch die kleine Truhe in den Schuppen gestellt?
Was versteckt er darin?

*

Ralf läuft im warmen Wohnzimmer auf und ab und starrt argwöhnisch durch die Terrassentür.
Der kleine Schuppen ist so voll mit Fallen, dass die Maus quasi kaum noch hineinpasst – und trotzdem ist weit und breit noch immer keine Mauseleiche zu entdecken.
Nur winzige Fußabdrücke im frischen Schnee, die überdeutlich zeigen, dass der störrische Nager immer noch am Leben ist.

„Wo geht Luigi denn immer hin?“, fragt Anton, der sich offensichtlich wieder leise angeschlichen hat. „Muss er arbeiten? So wie du? Kriegt er dann auch Geld dafür? Und ist das Mausegeld oder Menschengeld?“
„Keine Ahnung, wo die Maus immer hin läuft“, fällt Ralfs knappe Antwort aus. „Ich verstehe ja nicht mal, wieso sie noch hier ist. Im Schuppen gibt es nichts mehr zu essen. Und ich habe doch überall –…“
Ralf beißt sich auf die Zunge. Fast hätte er gesagt: „Fallen aufgestellt, um dem Mistvieh endlich den Garaus zu machen.“
„Ach“, will Anton seinen Vater beruhigen, „mach dir keine Sorgen. Der Luigi muss nicht hungern. Ich bringe ihm schließlich jeden Tag etwas von meinem Essen.“

„Was tust du?“, brüllt Ralf lauter als ihm lieb ist und es tut ihm direkt leid. „Du fütterst die Maus?“, fragt er leiser.
„Natürlich“, antwortet Anton, der sichtlich verwirrt ist. „Luigi muss doch satt und stark sein, damit er im Schuppen um die ganzen Fallen klettern kann, die du zum Training für ihn aufgebaut hast.“
Während Ralf nach Luft schnappt, hört er Antje hinter sich lachen.
„Luigi scheint wirklich eine toll trainierte Maus zu sein“, pflichtet sie Anton bei. „Das Plätzchen bei uns im Schuppen hat er sich definitiv verdient.“
Anton und Antje nicken vergnügt, nur Ralf starrt finster nach draußen.
Er braucht eine neue Strategie. Sonst frisst sich die Maus am Ende doch noch in die Truhe.

*

Luigi hat das Mini-Butterbrot verspeist, das der kleine Mensch ihm gebracht hat, und aufmerksam die Ohren gespitzt, als der ihm erklärte, dass das Glitschig-Grünliche daneben eine Gewürzgurke sei.
Die meisten Menschen wissen nicht, dass die Mäuse sie bestens verstehen. Sie antworten nur nie. Aber das scheint den kleinen Menschen überhaupt nicht zu stören. Jeden Tag kommt er vorbei und erzählt Luigi etwas.

Heute war er so lange im Schuppen, dass Luigi schon fürchtete, der große Mensch würde ihn suchen kommen. Aber der ließ sich zum Glück nirgends blicken.
So hat Luigi mit offenem Mäusemund andächtig zugehört und manches Mal gestaunt, als der kleine Mensch ihm von Weihnachten erzählte, das am nächsten Tag kommen soll.

Von Würstchen und Kartoffelsalat hat der Mini-Mensch geschwärmt, von einem riesigen Baum mit bunten Kugeln, der sogar noch leuchten wird. Von Geschenken, die in hübsches Papier gewickelt sind und erst am Abend geöffnet werden dürfen. Und immer wieder hat sich vor Freude die Stimme des kleinen Menschen überschlagen. Auf und ab ist er gehüpft in seinen gelben Gummistiefeln und hat sogar schon mal ein Weihnachtslied für Luigi zur Probe gesungen.

Luigi fand dieses Weihnachten auf Anhieb ganz wunderbar. Er fragt sich nur, warum der große Mensch so wütend ist, wenn so etwas Tolles vor der Tür steht.
Warum freut der sich nicht auf Weihnachten wie der Kleine in den Gummistiefeln?
Luigi grübelt und grübelt, trippelt auf und ab und legt die kleine Mäusestirn in tiefe Grübelfalten.

Es gibt nur einen logischen Schluss: Das Ganze muss etwas mit der geheimnisvollen Truhe zu tun haben.
Heute Nacht wird Luigi sich nach innen nagen. Und dann weiß er endlich, was mit dem großen Menschen los ist.

*

Ralf starrt fassungslos auf die hölzerne Truhe. An der linken Seite prangt ein dickes Loch.
Da, wo gestern noch sein bestgehütetes Geheimnis auf Weihnachten gewartet hat, ist nun absolut nichts. Gar nichts. Nur noch gähnende Leere.

Er packt die Box, rüttelt und schüttelt, dreht sie auf den Kopf und schüttelt sie noch fester.
Es bleibt dabei.
Nichts.
Der Inhalt ist verschwunden.
Ralf starrt auf die leere Schachtel, als könnte er den Inhalt zurück hinein hypnotisieren.
„Das darf nicht wahr sein!“, flüstert er wieder und wieder.
Es ist Weihnachten. Die Geschäfte haben zu. Und sein Geschenk für Antje ist verschwunden.

„Verdammt noch mal!“, schreit Ralf und wirft die leere Truhe in die Ecke. Gleich vier Fallen löst er dabei aus, die laut schnappend durch die Luft sausen.
„Was ist los, Papa?“, fragte Anton, der schon wieder plötzlich da steht, und schaut seinen Vater sichtlich besorgt an. „Ist Luigi etwas passiert?“
„Luigi! Luigi! Ein Dieb ist das, eine ganz miese Maus, ein undankbares Mistvieh. Beklaut hat er mich. Und heute ist Weihnachten. Und jetzt habe ich nichts für die Mama.“
„Für die Mama?“, fragt Anton ratlos. „Aber wieso brauchst du denn was für die Mama? Die Geschenke bringt doch –…“ „Na klar“, fällt ihm Ralf da hektisch ins Wort, „aber ich wollte deiner Mama auch noch etwas schenken. Etwas von mir. Etwas, über das sie sich wahnsinnig gefreut hätte.“
Anton sieht seinen Vater weiter fragend an.
Und der erzählt ihm nun alles.

Dass Mamas Schwester neulich ganz nebenbei erwähnt hat, dass sie einen goldenen Ring von Mamas Oma auf dem alten Dachboden gefunden hat. Dass Mamas Schwester wohl gar nicht wusste, dass die Oma den Ring Mama vererben wollte.
Dass sich Mama und ihre Oma bei jedem Spaziergang an der Hand gehalten hatten und die Oma dabei immer diesen Ring getragen hatte. Dass Mama untröstlich war, als die Oma ganz plötzlich nicht mehr da und mit einem Mal auch der Ring verschwunden war.
Dass Ralf es kaum glauben konnte, dass der Ring nun doch noch aufgetaucht war. Und dass er ihn extra aufarbeiten lassen hatte, damit er wieder genauso funkelte und blitzte wie an der Hand der Oma, wenn Mama und sie spazieren gingen.

Ralf erklärt Anton, dass er den Ring im Schuppen versteckt hatte, damit Mama, die immer hinter den beiden her räumt, ihn definitiv nicht finden würde. Dass er sich seit Wochen darauf gefreut hat, ihr unter dem Weihnachtsbaum die alte Holztruhe von ihrem Opa mit dem Ring ihrer Oma darin zu überreichen.
„Aber jetzt ist er weg“, schließt Ralf seine Erzählungen niedergeschlagen ab. „Diese elende Maus hat den Ring geklaut und deine Mama wird ihn nie bekommen.“

Anton runzelt die Stirn und kratzt sich verwirrt am strubbeligen Pudelmützenkopf.
„Aber … Was soll Luigi denn mit dem Ring? Der ist doch viel zu groß für ihn.“
„Was weiß ich“, grummelt Ralf. „Vielleicht verbuddelt er ihn irgendwo. Vielleicht hält er sich für eine Elster. Vielleicht trägt er den Ring als Kette. Vielleicht ist er einfach nur ein mieser Dieb.“
„Luigi doch nicht!“, ruft Anton empört.
Es muss eine bessere Erklärung geben.

„Oh nein!“, flüstert Anton plötzlich und sieht seinen Vater ängstlich an.
„Ich glaube, ich bin schuld daran.“ Er tritt von einem Bein aufs andere und knetet seine Hände, die in kleinen Fäustlingen stecken.
„Du?“, fragt Ralf ungläubig. „Was sollst du denn damit zu tun haben?“
„Das mag ich nicht sagen“, flüstert Anton.
„Aber ich werde es gerade biegen.“

*

Luigi ist ausnahmsweise schon nachmittags zurück.
Auf Heiligabend muss man sich vorbereiten, da darf man sich nicht hetzen, hat der kleine Mensch gesagt.
Luigi hat sich vorgenommen, sich später ganz nah ans Terrassenfenster zu schleichen und sich diesen riesigen Baum, der dann auch noch leuchten soll, aus nächster Nähe und mit eigenen Mäuseaugen anzusehen.
Gedankenverloren und voller Vorfreude krabbelt Luigi durch das Loch in den Gartenschuppen und stößt vor Schreck ein schrilles Mäusequieken aus.
Da steht der kleine Mensch.

„Ach, Luigi“, ruft Anton ganz aufgeregt und redet sofort wie ein Wasserfall auf die verdatterte Maus ein. Er ist so aufgeregt, dass er fast mehr mit den Händen als mit Worten spricht und die ganze Zeit über sieht er Luigi mit weit aufgerissenen Augen an.
Als er fertig ist, ist er ganz aus der Puste.
„Ich weiß, dass du mich verstehst“, sagt er schließlich verschwörerisch.
„Bitte, bitte hilf mir.“

*

Der Gänsebraten und das Zimteis sind verspeist, die Lieder gesungen und die Geschenke ausgepackt.
Antje, Ralf und Anton liegen vollgefuttert in ihren quietschbunten Weihnachtsschlafanzügen auf dem grünen Sofa und wollen sich den Weihnachtsfilm anschauen, den Antons Vater jedes Jahr zum Abschluss des Abends anmacht.
Gerade ertönt die Titelmelodie, die Anton sonst immer lauthals mitsingt, als sein Blick auf die Terrassentür fällt.
„Papa!“, schreit er, und springt auf. „Ich hab es doch gewusst! Komm schnell!“

Der verdatterte Ralf weiß gar nicht, wie ihm geschieht, als Anton ihn an der Hand vom Sofa zieht und strahlend zur Terrassentür rennt.
Zögernd öffnet Ralf die Tür und bleibt mit offenem Mund fassungslos auf der Schwelle stehen.

Winzig kleine Mäusespuren führen direkt vor ihre Füße.
Und mitten im Schnee funkelt ein wunderschöner goldener Ring.

Ralf läuft auf Strümpfen quer durch den Garten und holt die kleine Holztruhe hinten aus dem Schuppen. Behutsam legt er den Ring wieder hinein und schaut Anton an.
Der strahlte von Ohr zu Ohr und ruft triumphierend: „Siehst du? Der Luigi ist kein Dieb.“
„Aber …“, stottert Ralf und da steht Antje auch schon neben ihnen.
„Was macht ihr denn da?“, fragt sie lachend.
Und dann entdeckt sie die Truhe.

Mit offenem Mund starrt sie abwechselnd Ralf, die Truhe und Anton an.
„Ist das …?“, fragt sie leise.
„Die Truhe von deinem Opa“, antwortet Ralf stolz und reicht sie ihr vorsichtig an.
Antje greift genau an das große genagte Mäuseloch, schmunzelte aber nur und sagt: „Da hat Luigi aber ganze Arbeit geleistet.“
Sie öffnet die Truhe und lässt sie fast fallen, so überrascht ist sie.
Mit zittrigen Fingern hebt sie den Ring aus der Schachtel und als sie ihren Mann ansieht, purzelt auch schon die erste Träne.
„Nicht weinen, Mama“, ruft Anton schnell, „Luigi hat den Ring doch wieder zurückgebracht.“

„Zurückgebracht?“ fragt Antje, als sie sich die Tränen von den Wangen wischt.
„Ja, weil …“, druckst Anton erst noch herum und zeichnet mit seinen bestrumpften Füßen kleine Kreise in den Schnee. Dann fasst er sich ein Herz.

„Neulich war da nämlich ein Regenbogen. Da hinten, über dem Feld. Und da habe ich Luigi von der Sache mit dem Gold erzählt. Das Gold, das man am Ende von so einem Regenbogen findet. Eigentlich. Denn ich habe noch nie welches gefunden. Egal, wie lange ich gesucht habe. Und ich habe viel gesucht, denn Papa hat ja gesagt, dass Weihnachten ein Vermögen kostet. Und ich mag Weihnachten doch so.“
Anton legt eine kurze Pause ein, um Luft zu holen und um sich zu vergewissern, dass seine Eltern noch zuhören.

„Na jedenfalls habe ich Luigi dann erzählt, dass irgendjemand das Gold vor mir gefunden haben muss und alles mitgenommen hat. Und wie doof ich das finde. Ich hätte nämlich für die anderen auch noch etwas da gelassen, damit niemand umsonst suchen geht. Ihr sagt doch auch immer, dass man teilen soll. Gerade an Weihnachten. Und dass man sonst nur selber unglücklich wird. Deshalb habe ich zu Luigi gesagt: „Wenn ich jemals Gold finde, dann warte ich, bis ich wieder einen Regenbogen sehe und dann vergrabe ich da ein bisschen was von meinem Schatz. Damit niemand mehr enttäuscht sein muss. Damit ich selber nicht unglücklich werde. Und damit sich jeder, der will, Weihnachten auch leisten kann.““

Ralf und Antje sehen sich an. „Okay“, sagt Ralf, „Und jetzt denkst du, dass …“ „Dass der Luigi mir natürlich gut zugehört hat. Der mag Weihnachten doch auch. Dann hat er deinen Goldschatz gefunden. Bestimmt wollte er nur jemandem eine Freude machen, Papa, und dafür sorgen, dass du nicht mehr unglücklich bist. Du warst doch immer so schlecht gelaunt, wenn du bei Luigi im Schuppen warst. Der wollte den Ring bestimmt verbuddeln. Da, wo zuletzt ein Regenbogen war.“

Ralf und Antje müssen schmunzeln. „Na, das ist aber … nett von Luigi“, sagt Ralf.
„Ja klar“, sagt Anton. „Aber dann habe ich Luigi erklärt, warum du den Ring wieder brauchst. Dass das kein Goldschatz war, sondern Mamas Schatz. Und dass du gar nicht gierig und unglücklich warst, sondern bloß aufgeregt. Wegen Mama. Und wegen Weihnachten. Da hat er den Ring sofort wieder gebracht.“
„Klingt logisch“, lacht Antje, „aber jetzt gehen wir mal wieder rein. Wir haben ja alle schon Eisfüße.“

„Oh, Eisfüße!“, ruft Anton, dem offenbar noch etwas wahnsinnig Wichtiges eingefallen ist. Er spurtet nach drinnen und kommt wenige Augenblicke später mit einem kleinen Teller und einem alten Putzlappen zurück in den Garten.
„Was machst du denn jetzt?“, fragt Ralf.
„Luigi hat noch gar kein Weihnachtsessen von uns bekommen. Das soll er sich gleich schmecken lassen.
Und das hier ist eine Extra-Mäusedecke. Mäuse mögen nämlich keine kalten Füße.
Wusstet ihr das nicht?“

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